Verschiedenheit bereichert

Frank Zeimys (links) und Tobias Schubert aus der Kita Heidberg

Männliche Pädagogen sind immer noch die Ausnahme im Elementar- und Primarbereich. Gerade mal drei Prozent der Beschäftigten in deutschen Kitas sind Männer. Dabei sind sich alle Experten einig, dass es mehr werden müssen: 20 Prozent sollten es laut Netzwerk für Kinderbetreuung der Europäischen Kommission schon 1996 sein. Bisher lassen sich Männer noch von veralteten Vorstellungen sowie eingeschränkten Verdienst- und Aufstiegsmöglichkeiten von der Arbeit in Kitas abschrecken. Bei Kinderwelt liegt der Anteil der männlichen Kollegen immerhin schon bei gut 18 Prozent. Eine Folge der gezielten Personalpolitik und der guten Arbeitsbedingungen beim Träger.

Damit die Zahlen weiter steigen, wurde unter dem Dach des Paritätischen eine Koordinierungsstelle Hamburg eingerichtet, die durch Kampagnenarbeit den Männeranteil in der Hansestadt steigern will. Drei unserer Kitas nehmen an dem Projekt "Mehr Männer in Kitas" teil. In Hamburg arbeitet eine  Koordinierungsstelle mit eigener Kampagne daran, den Anteil mittelfristig auf 20 % zu erhöhen.

"Männer arbeiten nicht besser, sondern anders". Das meinen jedenfalls Tobias Schubert, Leiter Kita Heidberg und Pädagoge Frank Zeimys im Interview mit Katharina Jetter, NDR Info (29.5.2011).

Radiobeitrag "Männer in Kitas"

Marcel Bock, 32, Ausbildung zum Fotografen und zum Erzieher, Kita Erdkampsweg. Schon seit der Zivildienstzeit bei Kinderwelt: zunächst als Aushilfe, jetzt als Pädagoge.
„Wenn ich sage, dass ich Erzieher bin, ernte ich schon mal erstaunte Blicke. Dabei ist es so ein cooler Beruf: Du kannst eine Menge bewegen und hast viele Freiheiten.“

Für die Ausgabe 7 der KinderWelt (März 2010) haben wir mit drei Kollegen vor Ort in den Kitas über ihre Rolle als Mann gesprochen. Die drei stehen stellvertretend für viele Kollegen, denn in den meisten Häusern von uns arbeitet mindest ein männlicher Pädagoge.

„Was machen Sie denn hier: Müssen Sie nicht arbeiten?“ Diese Frage stellte eine ältere Frau Marcel Bock, als sie ihn mit einem Krippenkind auf dem Arm in der Kita Erdkampsweg sah. „Zum Glück ist das die Ausnahme“, so der 32-Jährige. „Meist heißt es eher: Juhu, ein Mann!“

Eike Dierks ist gern Pädagoge und arbeitet gut mit Frau zusammen. Aber:  „Ich genieße es auch, im Turmweg nicht der einzige Mann im Team zu sein“, so der Pädagoge. „Als Mann steht man schon ein wenig unter Beobachtung: Wie macht der das wohl?“, weiß auch sein Kollege Thorsten Mohrdieck. Ja, was machen sie denn nun anders, die Männer? „Frauen und Männer haben einen unterschiedlichen Blick auf Bildungsprozesse“, meint Thorsten Mohrdieck. „Und die Verschiedenheit ist gut, denn wir wollen Kindern ja gerade ein großes Verhaltensrepertoire eröffnen.“ Manche jungentypischen Bedürfnisse können im normalen Kita-Alltag zu kurz kommen, weil Frauen darauf weniger eingehen. Toben, Raufen, Fußballspielen und Grenzen testen können Frauen natürlich auch, aber meist liegt es ihnen nicht so. „Aber wir möchten hier keine Klischees reproduzieren“, meint Thorsten Mohrdieck. „Wir sind nicht nur zum Rangeln und für klare Ansagen da, sondern auch zum Trösten und Kuchenbacken.“

Nicht nur die Jungen, auch die Mädchen profitieren von männlichen Pädagogen. Sie werden selbstbewusster, wenn sie von Männern ernst genommen und unterstützt werden. Einen partnerschaftlichen Umgang und Respekt zwischen den Geschlechtern können Mädchen und Jungen nur erleben, wenn es in ihrem Alltag auch Männer und Frauen gibt.

Für die Kinder sind die Männer im Kita-Alltag also eine Bereicherung. Ungewohnt sind sie manchmal für Kolleginnen, die mitunter noch in Rollenklischees denken: „,Weißt du, wie man den Beamer anschließt?‘, höre ich als Mann schon öfter mal“, weiß Thorsten Mohrdieck. Marcel Bock hat andere Erfahrungen gemacht: „Das Verhalten ist eher typ- als geschlechtsabhängig.“

Bis Männer in jeder Kita eine Selbstverständlichkeit sind, wird es wohl noch ein paar Jahre dauern. Wir versuchen, diesen Prozess weiter zu beschleunigen. Bis dahin heißt es wohl weiterhin: Juhu, ein Mann!

Eike Dierks, 33, Internationaler Kindergarten Turmweg. Absolvierte nach einer Tischlerlehre eine Erzieherausbildung. Seit sieben Jahren bei Kinderwelt.
„Eltern und Kolleginnen reagieren immer sehr positiv. Nur ein Mal wollte eine Mutter nicht, dass ein Mann ihr Kind wickelt. Da stand gleich ein Missbrauchsverdacht im Raum.“


Thorsten Mohrdieck, 37, Internationaler Kindergarten Turmweg, wollte eigentlich Journalist werden, entschied sich dann aber doch für ein Studium der Erziehungswissenschaften. Er arbeitet seit sieben Jahren bei Kinderwelt.
„Wenn Kinder schon in der Kita mit männlichen und weiblichen Pädagogen aufwachsen, werden sie später davon profitieren.“